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Zelt13

Das Zelt

24.06.

Es regnet mal wieder, aber ich muss noch etwas die Beine vertreten. Was tun?

Im Juli wird sich ein Schwerpunkt der Heimattage 2022 auf dem Kulturforum abspielen. Konzerte, Theater, Kunst und Kommunikation. Und weil das Wetter schwer kalkulierbar ist, wurde dafür von der Stadt ein Zelt aufgebaut. Ein wirklich großes für bis zu 800 Menschen incl. 70 Musiker*innen und 100 Sänger*innen! Das braucht es schon für die ‚Ode an die Freude‘. Interessante Formen und Kontraste, das könnte fotografisch reizvoll sein. Und das geht bei jedem Wetter. Vielleicht sogar grade bei Regen!

Also spaziere ich rüber. Niemand da außer zwei Security-Männern, die die bereits installierte PA-Anlage bewachen. Klar, da steht der Wert einer Eigentumswohnung rum. Die beiden beobachten mich argwöhnisch. Nach einem kurzem Gespräch lassen sie mich aber fotografieren, zumindest von außen.

29.06.

Mal schauen, was sich drüben auf dem Kulturforum tut. Die Anlage steht inzwischen, es ist fertig gestuhlt. ‚Das war Maßarbeit‘, sagt einer der schwarz gekleideten Jungs, die da weiter am Aufbauen sind.

01.07.

Freitag Abend, heute ist die Premiere! Vielleicht gehe ich morgen hin. Aber ich kann heute ja schon mal von außen zuhören. Ich kann nicht recht einschätzen, wie laut es sein wird. Und so viele Leute so eng zusammen? Corona-Sommerwelle???

Tatsächlich ist das Konzert gut besucht. Draußen auf dem Hügel hinter dem Zaun sitzt eine sehr entspannte Schar. Man kann zur Bühne rüber linsen, aber vor allem hört man wunderbar die Musik. Eigentlich ist die Atmosphäre hier draußen viel schöner. So ein bisschen Woodstock-Feeling.

Um ehrlich zu sein: Ich kannte von der 9. Sinfonie nur genau das bekannte Stück, das Europa-Nationalhymne wurde. Irgendwie peinlich. Deshalb hab ich vorher zuhause schon mal eine Aufführung auf youtube angeschaut und -gehört. Und siehe da – das ist viel zugänglicher als ich gedacht hatte. Im dritten Satz lässt meine Aufmerksamkeit nach, aber im vierten geht’s ja rund.

Als ich abends dann zum zweiten mal die Musik höre, groove ich mich langsam ein. Echt schön!

03.07.

Jetzt war ich doch nicht ‚offiziell‘ dabei. Ich hatte ja auch Freitag schon alles gehört. Heute, Sonntag war die dritte und letzte Aufführung. Als es dunkel ist, gehe ich noch mal zum Ort des Geschehens. Vereinzelt stehen noch Menschen umher, Musiker*innen, Offizielle, Helfer. Alles ist bunt erleuchtet. Eine schöne, leise Stimmung. Die magische Mischung aus Zufriedenheit, Erleichterung und Erschöpfung nach dem vielen Adrenalin eines solchen Projekts. Ich spaziere mit Kamera und Stativ über den Platz, und die Leute halten mich vermutlich für einen Teil der Orga.

Epilog

Es ist merkwürdig. Es wäre schlüssig und üblich gewesen, eine kleine Reportage zu den drei Konzerttagen zu fotografieren. Die Musik, die Menschen, die Story, ein schöner Spannungsbogen. Hat sich halt nicht ergeben. Statt dessen meine Eindrücke vom Zelt.

Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Donut. Ein Ring um ein großes Loch herum. Alles, worum es eigentlich gegangen ist, fehlt. Aber es gab sicher Journalisten, die die Konzerte in Bild und Text schön dokumentiert haben. Die Welt hat mich nicht dafür gebraucht. Und der Ton, der hier ja das Allerwichtigste war, fehlt naturgemäß auch ihnen.

Und so wurde es bei mir halt ein Blick von außen auf das galaktische Zentrum dieser Veranstaltung. So wie in den Nächten zuvor an anderer Stelle…

2 Gedanken zu „Das Zelt“

  1. Lieber Klaus,
    das klingt ganz danach, dass du ne gute Zeit hattest mit diesem kleinen Projekt.
    Ich empfinde diese Drumrum-Reportage nicht als defizitär. Der ruhige, offene Blick darauf, wie sich so ein Veranstaltungsort verändert ist für das Interessante daran.
    Liebe Grüße
    Stefan

    1. Hallo Stefan,
      ja, es hat echt Spaß gemacht, auch weil es so einfach war. Direkt vor der Haustür, keine festen Zeiten, mit dem Wetter, das grade ist. Das ist die Art von Projekten, die gesundheitlich gehen, das kennst du ja auch. Ich staune selber immer wieder, wie oft etwas Konstruktives raus kommt. Vor allem wenn ich daran denke, wie oft man sich im Leben ja auch als Gesunder abmüht, und es kommt trotzdem nicht viel dabei rum. Da bin ich echt mehr als zufrieden!

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