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Schönstatt4

Sternennacht

  • Natur

Seit Tagen warte ich auf einen klaren Nachthimmel. Nicht einfach in der Oberrheinebene, hier ist einfach viel Feuchtigkeit, die tagsüber aufsteigt. Aber heute sieht es super aus! Ich schaue noch eine Doku in der Mediathek an: ‚Hirschhausen und Long-Covid – die Pandemie der Unbehandelten‚. Passt wie Faust aufs Auge zu meinem letzten ME/CFS-Beitrag hier. So ganz langsam bewegt sich doch was.

Eigentlich ist es erst ab ein Uhr ganz dunkel. Aber auf meinem Balkon sieht es schon ganz gut aus. Also packe ich mein Equipment und mache mich auf den Weg nach Zell-Weierbach. Oben in den Reben gibt es eine Stelle, die in Richtung Straßburg etwas abgeschattet ist. Das soll schon einen großen Unterschied machen.

Als ich oben ankomme, traue ich meinen Augen kaum. Wahnsinn! So einen Himmel, so viele Sterne hab ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen! Ich kann mich kaum satt sehen und muss mich förmlich losreißen, um die Kamera aufzubauen.

Irgendwann höre ich aus der Ferne ein Auto. Die Scheinwerfer malen hübsche Lichtflecken ins Grün.

Ich hab leider kein lichtstarkes Ultraweitwinkel-Objektiv. Also muss ich mit allen Tricks arbeiten: Panorama-Aufnahmen aus mehreren Einzelbildern zusammenfügen, Mehrfachbelichtungen zusammen rechnen lassen, um das Bildrauschen zu reduzieren. Und dann will ich auch noch einen Zeitraffer-Film. Zwei Stunden lang bin ich draußen. Zum Glück macht die Kamera die Zeitraffer-Aufnahmen alleine.

Und so liege ich einfach auf dem Fahrweg und schaue nach oben. Von den Satelliten abgesehen, die den Himmel kreuzen, herrscht da Ruhe. Diese Welt da oben rechnet in Jahrmillionen. Was wir jetzt grade sehen, ist zum großen Teil passiert, als es auf der Erde noch nicht mal Dinosaurier gab! Selbst das Licht unserer Nachbarin, der Andromeda-Galaxie, ist 2,5 Millionen Jahre unterwegs bis zu uns. Ich hab Gänsehaut.

Dann plötzlich ein Lichtblitz! Ein Meteoroid verglüht in ein, zwei Sekunden und löst sich in eine orangefarbene Lichtspur auf. Das hab ich so noch nie gesehen!

Obwohl es angenehm warm ist, packe ich irgendwann zusammen. Als ich unten in Zell Weierbach ankomme, springt ein Reh von den Reben auf die Straße. Ich halte sofort an und bin total ruhig. Das Reh auch. Etwa drei Minuten stehen wir beide regungslos da. Dann entspannt sich das Tier. Es läuft über die Straße zu einer großen Scheune. Es schnuppert an der verschlossenen Tür, als wollte es sie irgendwie öffnen. Dabei stehen da drin wohl eher Maschinen als etwas Essbares. Das versteht wohl auch das Reh. Es hüpft zurück in die Reben.

Ich fahre nach Hause und bin müde, aber sehr glücklich. Was für ein wundervolles Abenteuer, so nah vor der Haustür!

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