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Krähen

Doppelschichten

  • Natur

Der Frühling naht. Ich hab die Winterdecke beiseite gelegt, die Tage werden spürbar länger und in den Blumenkästen auf unserem Balkon stecken wieder die Stiefmütterchen. Auch die Vögel sind wach. Die Amselmännchen singen ihre besten Flirtsongs. Und die Krähen bauen mit vollem Einsatz an ihren Nestern.

Vor meinem Küchenfenster reihen sich vier große Platanen auf. Darin erkenne ich – jetziger Stand – 14 Nester, und alle sind Baustelle.

Überall wird gewerkelt. Die Krähen lesen Nistmaterial auf der Straße auf und suchen es auf den Nachbarbäumen. Die Zweige werden notfalls unter Einsatz des gesamten Körpergewichts abgerissen, das sieht wirklich anstrengend aus.

Interessant finde ich, dass die Tiere kaum am eigenen Nistbaum ernten! Den möchte man als vernünftige Krähe nicht ausdünnen, sonst könnte man ja gleich am Boden brüten. Das wirkt allerdings unfreiwillig komisch, wenn alle Krähen so denken und sich überkreuz bedienen.

Noch einfacher ist es natürlich, sich die Zweige aus einem anderen Nest zu stiebitzen, wenn es nicht bewacht ist. Manchmal lösen sich so ganze Nester innerhalb einiger Tage wieder auf.

Irgendwann ist die Frühschicht zuende, die Krähen fliegen davon und tun, was Krähen tagsüber halt so tun.

Gegen Abend kommen sie zurück. Und werfen sich in die Spätschicht. Wieder wird gebaut und gesammelt und geklaut und gemobbt und geschimpft.

Bis irgendwann Ruhe einkehrt. Komplett regungslos, den Kopf eingezogen, sitzen sie in den Ästen. Bis zum nächsten Morgen…

2 Gedanken zu „Doppelschichten“

    1. Ja, das ist Saatkrähen-Country hier. Ich kann mich nur an eine einzige Rabenkrähe erinnern, die ich vor Jahren mal draußen auf einem Obstbaum gesehen hab. Wahrscheinlich gibt es mehr, aber die kommen anscheinend nicht in die Stadt.

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