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Griesheim25

Unverhofftes Geschenk

  • Natur

Am Sonntag hab ich mal wieder von Helmut einen super Tipp bekommen: An einem kleinen See in der Nähe hat er Eisvögel beobachtet! An der Kinzig hab ich seit dem Hochwasser im Frühjahr 2021 ja keinen mehr gesehen. Ich war also sofort elektrisiert!

Und so klingelt am Montag morgen um 5:30h der Wecker und ich beeile mich. Als ich auf dem Roller sitze, ist es noch dunkel. Nur der Mond und die Lampe an meinem Roller sorgen für Licht.

Als ich am See ankomme, muss ich lachen. Das ist doch nicht echt hier, oder? Wie in einer Filmkulisse steht dichter Nebel über dem Wasser, die Bäume am Ufer zeichnen sich sanft ab. Einige kleine Boote liegen malerisch an der Böschung. Ein junger Haubentaucher dreht gemütlich seine Runden auf dem See. Direkt neben mir ragen tote Äste übers Wasser. Und genau dort sitzt schon der Eisvogel, als würde er auf mich warten. Leider ist es noch zu dunkel für mein Objektiv, und so fliegt er weiter.

Ich vermute, dass er bald wieder zurück kommen wird. Also suche ich mir einen guten Platz, tarne mich etwas, warte ab und genieße so lange die Fantasy-Stimmung.

Dann geht die Sonne auf, und mir bleibt die Spucke weg! Genau hinter einem Baum steigt sie über den Horizont. Der Nebel bricht ihre Strahlen, so dass der Baum nun wirklich surreal aussieht.

Mit jeder Minute, die die Sonne aufsteigt, verändert sich die Szenerie. Ich bin überwältigt! Was mache ich jetzt? Aufstehen und die Szene fotografieren? Oder ruhig sitzen bleiben und auf den Eisvogel warten? Das Licht ist so unglaublich, dass ich mich nicht mehr zurück halten kann. Der Vogel wird auch so irgendwann wieder hier her kommen.

Der Eisvogel

Und tatsächlich. Ich muss gar nicht lange warten, da ist er wieder hier. Ich sitze recht nah dran, aber leicht gegen die Sonne. Das ist schwer zu fotografieren. Ich mühe mich ab, auch die Tauchflüge des kleinen Vogels zu erwischen. Ob das was geworden ist, werde ich erst zuhause sehen. Die kleinen Jäger sind so unfassbar schnell! Sie sitzen lange auf ihrem Ast, schauen aufs Wasser. Dann stürzen sie sich kopfüber hinein, schnappen mit dem Schnabel nach dem Fisch, tauchen auf und fliegen zurück auf den Ast. Das alles dauert höchstens zwei Sekunden. Eine halbe Sekunde brauchen wir Menschen schon, um zu reagieren. Und man weiß ja nie vorher, an welcher Stelle genau er ins Wasser eintauchen wird. Und dann ist da ja auch noch der Autofokus der Kamera, der mithalten muss.

Gut, dass ich mehrere Versuche hab. Der kleine Vogel kommt etwa einmal pro Stunde hier vorbei und versucht sein Glück.

Nebelsäulen

Als die Sonne über die Bäume gestiegen ist, wird es auch schnell warm. Ich kenne es ja so, dass der Nebel überall gleichmäßig langsam aufsteigt und sich irgendwann entweder auflöst oder als Hochnebel hängen bleibt. Oder dass der Wind aus dem Kinzigtal (vor allem im Herbst) die Suppe schön nach Offenburg schiebt, wo sie es sich den Rest des Tages gemütlich macht.

Hier geschieht grade etwas völlig anderes: Der Nebel scheint lebendig zu werden! Die Luft über dem Wasser erwärmt sich und steigt in Wirbeln auf. Dabei zieht sie die Feuchtigkeit mit nach oben. Es entstehen kleine Tornados, die über dem Wasser tanzen. Ein faszinierendes Schauspiel!

Innerhalb einer Stunde ist der Nebel so komplett weg gesogen. Ich flüchte zügig in den Schatten, um so nah am Wasser keinen Sonnenbrand zu bekommen.

Leider hat sich zuhause für 10 Uhr der Schornsteinfeger angekündigt, deshalb muss ich irgendwann aufbrechen. Was für ein wundervoller Morgen! Was für ein unverhofftes Geschenk!

3 Gedanken zu „Unverhofftes Geschenk“

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