Zum Inhalt springen
Griesheim3_8

Jagdszenen

Da ist ja immer noch diese Rechnung offen. Die mit dem Eisvogel. Ich will gute, scharfe Bilder vom Fischfang. Und so fahre ich heute halt schon wieder zum See. Ab mittags soll es regnen, da ist es sowieso gut, vorher schon raus zu gehen. Außerdem kann ich gleich die neuen Schuhe testen.

Ich bin deutlich später dran als die letzten Male. In den Bäumen und Büschen herrscht reges Treiben, aber das meiste davon kann ich nur hören. Oben in einem Baumwipfel streiten sich eine Wacholderdrossel und einige Buchfinken um die Pole Position. Neben mir wachsen hübsche Pilze aus einem alten Baumstumpf. Ich hab recherchiert, aber ich konnte nicht rausfinden, was für welche das sind. Da ich sie eh nicht essen will, ist mir das auch nicht so wichtig.

Auf Eisvögel muss ich nicht lange warten. Inzwischen hab ich auch etwas mehr Erfahrung: Der Vogel kommt angeflogen, setzt sich auf einen hohen Ast. Erst schaut er sich um, ob alles für ihn sicher ist. Dann scannt er die Wasseroberfläche nach Fischen. Wenn er einen im Auge hat, fixiert er ihn einige Sekunden lang, dann stürzt er sich hinunter, taucht ein, wieder auf, und fliegt zurück auf den Ast.

Ich sitze recht günstig, halb hinter einem Boot versteckt. Ich weiß, was passieren wird. Trotzdem ist es sauschwer, den Abflugmoment zu erwischen und schnell mit zu ziehen. Der Autofokus hat kaum eine Chance, drauf zu bleiben. Also Plan B: Im günstigsten Fall bleibt die Entfernung zur Kamera von Ast und Eintauchstelle jeweils ungefähr gleich. Ich gehe auf Blende 9,5, um etwas mehr Schärfentiefe zu haben und lasse den Fokus einfach fix. Bei 1/3000 Sekunde bin ich damit teilweise bei ISO 16.000, aber anders gehts nicht. Auch der Eisvogel hat nicht immer Erfolg, und so gibt er mir mehrere Durchgänge, bevor er weiter zieht.

Zuhause lade ich über 200 Bilder hoch. Auf den meisten ist der Vogel nur ein bläulicher unscharfer Klecks, auf der Hälfte hab ich es nicht mal geschafft, ihn überhaupt im Bild zu halten. Aber ein paar bleiben hängen:

Ich fürchte, ich hab das Stadium erreicht, wo ihr Leser langsam abwinkt. Schon wieder die gleiche Geschichte, ähnliche Bilder. Aber so ist es halt, Captain Ahab ist auf seiner Mission. Immerhin braucht ihr glaube ich keine Sorge haben, dass mich ein Eisvogel rammt, ins Wasser stößt und ertrinken lässt. Obwohl, ich finde, der oben hat irgendwie so einen Killerblick…

Nachtrag, ein paar Stunden später. Ich zappe ein bisschen und lande – wie so oft – bei einer Naturdoku in der ARD: ‚Magische Momente der Natur‚. Und schon im Vorspann: Ein Eisvogel taucht ins Wasser und erbeutet einen Fisch.

Das alles gestochen scharf und in Super-Zeitlupe. Na super! Aber immerhin ein kleiner Trost: Selbst die haben es nicht geschafft, den Vogel beim Sturzflug zu verfolgen. Eine fixe Kameraeinstellung beim Start, eine von Weitem zeigt den kurzen Flug, dann eine weitere feste Einstellung über der Wasseroberfläche und sogar eine darunter. Schon cool! Aber ich fürchte, jetzt fehlen Captain Ahab irgendwie die technischen Mittel und die Motivation…

6 Gedanken zu „Jagdszenen“

  1. Ich habe die Naturdoku auch gesehen. Vielleicht sollten wir uns nicht mit den Profis messen 😉
    Ich finde deine Fotos hervorragend und Eisvögel werden nie langweilig.
    LG Karin

    1. Du hast natürlich recht. Aber von den Profis kann man auch am meisten lernen. Ich überlege tatsächlich, nächstes mal die Kamera mit so 50-100mm Brennweite auf ein Stativ zu stellen und den Vogel mit 4k und 50 Bilder/Sekunde zu filmen. Da hat man dann ein Video in leichter Zeitlupe, kann außerdem auch Einzelbilder raus extrahieren und hat sogar noch etwas Luft zum croppen. 50 Bilder/Sekunde schafft im Fotomodus ja nicht mal die R7.
      Wird immer noch anspruchsvoll, weil ich ja nicht vorher weiß, auf genau welchem Ast der Vogel landen wird. Ahab hat doch noch nicht aufgegeben. 🙂

  2. Gayan Andrea Köhler

    Wieder super Fotos! Unterhaltsame Geschichte dazu… Eine ist noch offen Frage noch: Sind die Füße warm geblieben? Liebe Grüße, Andrea

    1. Danke dir! Ja die Füße waren mollig warm und trocken. Allerdings waren es draußen ja auch 12 Grad statt 5. Die Bewährungsprobe steht also noch bevor. Aber ich hab im Sitzen immerhin keine Blasen an den Füßen bekommen. 🙂

  3. Hallo Klaus
    Deine Bilder sind fantastisch. Und ich freue mich dass Du noch passende Schuhe gefunden hast. Viel Freude noch bei weiteren Bild Exkursionen.
    Theresia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert