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Friedhof3

Die Lebenden und die Toten

  • Natur

Die meiste Zeit meines Lebens hab ich einen möglichst großen Bogen um Friedhöfe gemacht. Erstens erinnern sie an die eigene Sterblichkeit. In der Jugend muss man sich da meiner Meinung nach auch noch nicht so den Kopf zerbrechen.

Zweitens hatte ich auf dem Dorf immer Zweifel, worum es bei Friedhöfen überhaupt geht. „Ich muss heute noch ans Grab, was denken die Leute, wenn da keine frischen Blumen drauf sind?“

Und drittens hab ich wohl zu viele Gruselfilme geschaut.

In den letzten Jahren hat sich das entspannt. Seit ich etwas Abstand zwischen mich und die Kirche gebracht hab, kann ich Friedhöfe viel besser als Orte des Friedens und der Ruhe erleben. Und dann sah ich mal ein Video eines Tierfotografen. Er hat Feldhamster gefilmt, die sich über die Wachskerzen an den Gräbern her machen. Eine gute Fettquelle für den Winter. So viel Blasphemie wirkt irgendwie befreiend.

Warum also nicht mal selber als Tierfotograf auf den Friedhof gehen? Das ist schließlich die nächst gelegene Grünanlage mit vielen alten Bäumen. Die Tiere wissen, dass die Menschen da andere Sorgen haben und sie in Ruhe lassen. Da braucht es auch keinen Tarnanzug (was wohl auch besser ist, wenn ich Irritationen bei den Menschen vermeiden möchte).

Und siehe da: Gleich beim ersten Besuch raschelt es hinter mir im Baum. Ich drehe mich um, und ein Eichhörnchen futtert vor sich hin. Es sieht mich, scheint runter zu nicken und weiter zu fressen. „Menschen – gähn!“

Seither war ich ein paar Mal auf Friedhöfen und fange an, es zu genießen. Und manchmal sind es auch ganz kleine Details, die einen Zauber haben.

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