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Blick von der anderen Seite der Linse – Katrins Perspektive

„Sich fotografieren lassen

So war die Überschrift in seinem blog. Ich frage bei Klaus nach, was frau dabei können muss. Nichts, sie muss Zeit und Geduld mitbringen. Mmmh, habe ich beides, jedenfalls manchmal, könnte hinhauen. Klaus sagt, er habe auch schon versucht, ein professionelles Modell zu buchen. Das könnten jedoch nur professionell arbeitende Fotografen. Ooooh, tja, da kann ich nicht mithalten, ich bin eher so Durchschnitt.

Nun ja, egal, das ist eine Gelegenheit, mal was Anderes zu machen. Wir vereinbaren einen Termin.

Als ich bei Klaus ankomme, denke ich, er sagt mir, was ich jetzt tun soll und das mache ich dann brav, so wie ich das von den Passbildern kenne. Aber Klaus lässt mir die Wahl. Ich fordere eine Anweisung ein, die ich auch erhalte. Und das ist gut so, für den Anfang. Es gibt mir Klarheit und Orientierung. Ich weiß, ob ich sitzen oder stehen soll und in welche Richtung ich am besten schaue. Somit kann ich wenig falsch machen.

Klaus versprüht mit seiner freundlichen und positiven sowie bestätigenden Art so eine angenehme und wohlwollende Atmosphäre, sodass ich mich immer besser und gelöster fühle. Wir lachen viel gemeinsam und ich beginne selbst verschiedene Haltungen auszuprobieren.

Wir schauen uns die Bilder an. Wow, was ist das? Wer ist das? So sehe und kenne ich mich nicht. Im Spiegel sehe ich anders aus und auf Fotos sonst auch. Ich bin über die vielfältigen Ausdrucksweisen, die so viele unterschiedliche Stimmungen und Emotionen ausdrücken, erstaunt. Ich sehe in diesen Bildern mein inneres Kind ebenso wie die Frau.

Das verschmitzte Lächeln springt mir ebenso ins Auge wie der Schalk, der mir im Nacken sitzt, oder ein ernster, nachdenklicher Blick und – die vielen Falten. Waren die vorher schon da? So habe ich mich zuvor noch nie, oder zumindest selten wahrgenommen. Wunderschöne, ausdrucksstarke Bilder sind das für mich.

Da hat mich jemand eingefangen und sichtbar gemacht, sodass ich mich aus ganz anderen Perspektiven wahrnehmen kann. Sodass ich Aspekte von mir sehe, die sonst eher im Verborgenen liegen. Sodass ich diese auch annehmen kann. Es ist, als hätte er mich auf neue Weise mit mir selbst in Kontakt gebracht. Ich begegne mir selbst. Das berührt mich.

Und da ist noch Klaus, der die Bilder mit mir betrachtet.

Er spricht von Blende, Belichtung, Schärfentiefe. Ich wundere mich. Was hat er denn? Wieso nörgelt er rum?

Er spricht nicht davon, wie ich am Anfang etwas steif wie ein eingeschüchtertes Kaninchen vor der Kamera sitze.
Er spricht nicht davon, wie er mich zum Lachen bringt, dass es nur so aus mir herausplatzt.
Er spricht nicht davon, wie er mich ermutigt und bestärkt.
Er spricht nicht von seiner ruhigen, freundlichen Art, die mir das Vertrauen gibt, mich zu zeigen und zu sein, wie ich bin und mich in diesem Moment fühle.
Er spricht nicht von der lockeren Atmosphäre, in der ich mich sicher und wohl fühle.

Ja, ist dieser Mann denn blind? Aus diesen fotografisch scheinbar unperfekten Bildern sprudelt Lebensfreude, Energie hervor ebenso wie Nachdenklichkeit und Melancholie. Sie bilden einen Nachmittag ab, an dem ich nicht das Gefühl hatte, vor einer Linse zu sitzen, beobachtet zu werden, funktionieren und etwas darstellen zu müssen, sondern in dem ich mich verbunden und gesehen gefühlt habe.

Ist dieser Mann tatsächlich blind? Sieht er seine Gabe und Fähigkeit nicht? Sieht er sich selbst nicht, wie er mit seinem Respekt und dem wohlwollenden Blick durch die Linse, die Grundlage für diese Bilder schafft? Sieht er mich nicht, wie ich vor der Kamera und in seiner Gegenwart auftaue und somit überhaupt erst sichtbar werde?

Wieso nörgelt der denn nur?? Tja, das hat wohl mit fotografischer Technik zu tun. Soll er nur nörgeln. Ich bin fasziniert. Und ich sage danke, für diese Fotos ebenso wie für einen einen besonderen und sehr schönen Nachmittag, an dem wir uns begegnet sind:

ich und ich, und er.“

Nachtrag von mir (Klaus):

Katrin hat sich eben gemeldet. Es ist ihr wichtig, dass es durch diesen Beitrag kein Missverständnis gibt: Ich hab bei der Session nicht an ihr rum genörgelt, sondern an meinen eigenen Fehlern und Begrenzungen.

Trotzdem versuche ich natürlich, künftig etwas gütiger mit mir selbst zu sein. Ich bin von Haus aus kein Perfektionist, 80% reichen. Aber die hätte ich schon gern. 🙂
Hauptsächlich hab ich Schiss, Erwartungen zu wecken, und ihnen dann nicht gerecht werden zu können.

Seit die Bilder fertig bearbeitet sind, bin ich aber sehr, sehr glücklich damit. Und ein bisschen stolz drauf. Vor allem auch, dass ich offensichtlich so einen Raum öffnen konnte! Darüber staune ich selbst. Ich weiß, dass das etwas sehr Besonderes ist. Danke dir, Katrin, dass du ihn mit so viel Leben und Offenheit gefüllt hast!

2 Gedanken zu „Blick von der anderen Seite der Linse – Katrins Perspektive“

  1. Lieber Klaus und liebe Katrin (unbekannterweise),
    wenn ich diesen Beitrag lese, habe ich das Bedürfnis, euch zu gratulieren. Dir, Katrin, zu deinem Mut, dich so tief auf dieses Session einzulassen und zu den tollen, ausdrucksstarken Bilder. Und dir, Klaus ebenfalls zu deinem Mut, die Grenze zum Fotografieren von Menschen so entschlossen zu überschreiten sowie zu deiner zumindest in Katrins Augen so offensichtlichen Fähigkeit, einen Raum zu schaffen, der Menschen ermutigt, bei sich selbst zu sein. Ich wünsche dir, dass sich das noch bei vielen anderen „Models“ mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten bestätigen wird.

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