Duell

Mann oder Maschine?

Ich weiß, ich weiß.

Auf der ‚Über mich‘-Seite hab ich geschrieben, dass der limitierende Faktor bei mir der Fotograf sei, und nicht das Equipment. Das ist ein goldener Spruch unter Fotografen, und er ist zu geschätzt 98% auch wahr. So viel zum Grundsatz. Offenbar sollte man aber die restlichen 2% nicht unterschätzen!

Ich war schon immer ein dankbares Opfer für Konsumangebote im Bereich Technik. Mein innerer Buchhalter ist deshalb sofort auf hab acht, sobald irgendwelche Kaufgelüste aufkommen. Er kämpft hart und zäh, und oft kann er sich durchsetzen. Aber macht es überhaupt Sinn, so zurückhaltend zu sein?

Bis 2018 bestand meine Ausrüstung aus einer altersschwachen Canon 350D mit einem uralten Sigma 28-200mm Ultrazoom-Objektiv. Das hatte ich noch für eine analoge Spiegelreflex-Kamera gekauft, die mein Vater nicht mehr genutzt hatte.

EOS 350D

Das Ergebnis: die Bilder arg durchwachsen, viele verwackelt, keins richtig scharf. „Vermutlich eine zittrige Hand.“ Für Urlaubseindrücke reichte es, so richtig Spaß machte es aber nicht. Irgendwann knipste ich nur noch mit dem Handy. Leider taugten deren Kameras erst recht nicht viel.

2019 kaufte ich mir die Sony RX100 M III.

Sony

Das Ergebnis: Ein Quantensprung! Jede Menge Bilder, da ich die kleine Kamera seither immer im Rucksack dabei hab. Die Fotos waren plötzlich kaum noch verwackelt, ich hatte richtig Freude auf meinen kleinen Safaris. Ich fotografierte im RAW-Format und entwickelte die Bilder selbst am Rechner mit einem Programm namens Darktable. Katrins Bilder spielten technisch aber in einer ganz anderen Liga. „Wahrscheinlich muss ich das Handwerk noch besser lernen (Blende, Verschlusszeit, ISO etc).“

Anfang 2020 kaufte ich mir das Sigma 17-70mm Objektiv für die EOS 550D, die ich Katrin für kleines Geld abgekauft hatte.

EOS 550D

Das Ergebnis: Ein Quantensprung! Viel weniger Rauschen als mit der Sony, vor allem bei schlechterem Licht, und deutlich schärfere Bilder. Beim Blick durch den Sucher hab ich ein viel besseres Gefühl für die Bildkomposition als beim flüchtigen Blick auf’s Display der Sony-Kamera. Meine Bilder veränderten sich. Technisch waren sie aber immer noch schlechter als die von Katrin. „Vermutlich ist ihre neue Fuji-Kamera halt doch viel besser als mein Oldie.“

Letzte Woche hab ich mir die Testversion von Capture One runter geladen. So eine Software ist sozusagen das digitale Fotolabor. Damit bearbeitet auch Katrin ihre Bilder.

am PC

Das Ergebins: Ein Quantensprung! RAW hoch laden, Zauberstab klicken, und das Ergebnis ist schon deutlich besser, als mit meinem bisherigen Tool Darktable überhaupt möglich. Bei ein bisschen Nachbearbeitung öffnet sich sogar ein ganz neues Universum!
Eigentlich schade, ich finde das Konzept von Open-Source-Software toll. Aber das Ergebnis spricht halt eine klare Sprache.

Ich erkenne da ein Muster. Gestern hab ich mir deshalb ein Canon 10-18mm Weitwinkel-Objektiv bestellt. Der Buchhalter hat wie üblich mit strengem Blick zur Zurückhaltung gemahnt, aber die Liste oben hat sogar ihn überzeugt.

Mein Fazit

Könnte ein Top-Fotograf mit meiner alten 350D und dem 28-200-Objektiv gute Bilder machen?
Ja.
Er würde spannende Motive finden, die mit dieser Ausrüstung zu bewältigen sind.
Er wüsste, wie er das Setting richtig inszenieren muss.
Er würde das richtige Licht abwarten.
Er würde ein Stativ und etwas Glück dabei haben.
Und selbstverständlich würde er die optimale Blende, Verschlusszeit etc. einstellen.
Das Ergebnis wären interessante Bilder mit einer guten Geschichte. Dass sie nicht scharf und brilliant wären, wäre dann nicht so wichtig.
Dann würde er noch schnell sein altes iPhone raus holen, auf die Schnelle die gleiche Situation knipsen, und das Ergebnis wäre um Längen besser. Er würde meine alte Kamera kopfschüttelnd wieder zur Seite legen und dankbar mit was G’scheitem weiter arbeiten.

Klar, die Kamera alleine macht keine Bilder. Aber der Fotograf halt auch nur dann, wenn sich der Aufwand für ihn lohnt. Wer also auf diese alte Regel pocht, der ist wahrscheinlich deutlich besser ausgerüstet als ich es bisher war. 🙂

Nachtrag 15.06.2020:

Es kam, wie es immer kommt. Ich besitze inzwischen nicht nur das Weitwinkel-Objektiv, sondern zusätzlich ein 70-200mm F4 Teleobjektiv. Und eine gute Kameratasche, wo das Teil auch mit rein passt. Und weil es mir lästig ist, ständig Objektive zu wechseln, hab ich auch gleich noch eine weitere Kamera dazu gekauft, eine gebrauchte Canon EOS 80D. Jetzt ist aber erst mal Schicht im Schacht mit Anschaffungen!!!

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