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Abschied

Es ist ganz schön lange her seit dem letzten Beitrag, und das hat einen Grund. Damals hatte ich ja schon beschrieben, dass ich nicht mehr auf die Beine komme. Ein Wochenende Anfang Mai war ganz schlecht. Und da gab es irgendwann den Moment, wo ich die Hoffnung losgelassen hab, dass es mit mir noch mal nennenswert aufwärts gehen könnte. Und in diesem Moment kehrte zu meinem Erstaunen – Ruhe ein.

Nicht mehr irgendwelchen Hoffnungen hinterher hecheln und dann doch wieder aufgeben. Nicht mehr jede Stunde die Energie im Auge behalten. Nicht mehr jeden Gedanken, jede Emotion, jede Bewegung kontrollieren, abschätzen, einpreisen und mir gegebenfalls dann doch sicherheitshalber versagen. Mir wurde klar, was für eine Last das die letzten zwei Jahre war!

Noch mal ein, zwei Jahre wie die letzten dranzuhängen, würde für mich überhaupt keinen Sinn machen. Dazu käme ja noch das ständige Risiko, dass es noch viel schlimmer wird. Eine Überlastung, ein Infekt, dann könnte ich mich wahrscheinlich überhaupt nicht mehr selbst versorgen. Mit ME/CFS gibt es auch weiterhin keine verfügbare Pflegeoption.

Ich bin müde. Nicht lebensmüde! Ich würde unendlich gerne leben und reisen und lieben und feiern und was weiß ich noch. Das Leben ist toll, ich sehe es vor meinem Fenster, ich hab wunderbare Freunde, bin kein bisschen einsam. Aber ich hab halt nicht die Energie, an all dem Teil zu haben. Ich komme in meinem eigenen Leben praktisch nicht mehr vor.

Diese seltsame Erleichterung an jenem Morgen sorgte dafür, dass ich mich insgesamt etwas beruhigte. Es kam etwas Energie zurück. Nicht genug für einen besseren Alltag. Aber immerhin. Und da dachte ich: Vielleicht ist das ein Zeichen, eine Chance?

Und so hab ich noch mal zwei Blutwäschen gemacht. Im Frühjahr 2024 hatte das ja gut funktioniert. Vielleicht könnte das einen Boost bringen, der mir wieder ein Leben zurück gibt. Vielleicht gibt es ja doch noch was, was ich hier auf diesem Planeten noch erledigen oder lernen soll? Vielleicht bekomme ich so doch noch die Energie, die ich dafür bräuchte? Es war ein Deal mit dem Schicksal.

Freunde haben mich nach Baden-Baden gefahren und ich hab es durchgezogen. Es lief alles glatt. Aber es war halt trotzdem sehr anstrengend.

Das war Ende Mai. Seither bin ich leider noch kaputter als vorher. Anscheinend war ich schon zu schwach für die Blutwäsche. Aber ich hab es immerhin versucht. Ich werte das mal als Antwort von oben.

Für mich ist das okay. Ich bin mit meinem Leben im Reinen. Ich hab über die Jahrzehnte viel, viel mehr erreicht als ich mir hätte träumen lassen. Es fühlt sich rund an. Und so hab ich nun Sterbebegleitung beantragt.

Wenn dieser Beitrag hier erscheint, bin ich bereits nicht mehr da. Bitte entschuldigt, dass ich euch das zumute. Ich tue das nicht leichtfertig.

Ich hab es nicht mehr geschafft, mich von euch allen persönlich zu verabschieden. Zu wenig Zeit, zu wenig Energie. Aber bei den Menschen, wo das noch ging, konnte ich sehen, was mein Entschluss für sie bedeutet. Wie traurig sie sind. Da wird eine Lücke bleiben. Also bitte verzeiht mir!

Ich hab keine Ahnung, ob es eine Art Leben nach dem Tod gibt. Trotzdem fühlt sich das für mich alles überhaupt nicht an wie ein tragisches Ende. Eigentlich eher wie Umzugsvorbereitungen oder kurz vor einer großen Reise. Ich hab jede Menge Orga-Kram gemacht, mich von lieben Menschen verabschiedet. Und wer weiß, vielleicht ist es ja genau das: Der Wechsel in ein neues Zuhause. Dann freue ich mich drauf.

Vielen lieben Dank, dass ich euch kennenlernen durfte! Dass wir ein Stück Weg zusammen gegangen sind. Für eure Zeit, die Inspiration, den Austausch und überhaupt alles. Ihr seid wunderbare Menschen! Macht es gut!

Euer

11 Kommentare zu „Abschied“

  1. Lieber Klaus, du bist eine große Seele, hast viele Menschen inspiriert und zum Nachdenken gebracht.
    Jetzt bist du wieder frei, nicht mehr gefangen in dem müden Körper.
    Ich habe heute eine Kerze für dich angezündet.
    Mein Mitgefühl an all deine Freunde und deine Familie

  2. Lieber Klaus – ich werde den Kontakt mit Dir vermissen…dieser regelmäßige Blick auf Deinen Blog – mit all den tollen Bildern und die Freude, wenn die Kraft für Ausflüge gereicht hat…und immer wieder mit zu hoffen, dass die Energie zurückkommt…
    Ich werde jetzt eine Kerze für Dich und Dir ganz fest die Daumen drücken…dass Du jetzt mit Energie geladen…wo ganz anders bist…und Du’s richtig krachen lässt – all das was die letzten Jahre nicht möglich waren…ich sehe Dein Bild und ganz viel Licht – das lässt mich hoffen.
    Danke für den schönen Austausch…und dass auch Du mich immer wieder daran erinnert hast – dass nichts selbstverständlich ist…und dass wir alle dankbar sein dürfen für unseren Alltag…all die Herausforderungen…und für das Leben – ich werde Dich nicht vergessen – Andrea

  3. Lieber Klaus, es ist schon ein paar Tage her, dass Du uns besuchst hast, auf Deinem kleinen Elektroroller und uns voller Freude von der neuen Mobilität erzählt hast.
    Du hast Dich mit uns über den Umzug des Vereins gefreut, in größere, schönere Räume mit ganz viel Platz für Fotografie. Und gehofft, das eine oder andere Mal mit uns wieder auf Exkursion gehen zu können.

    Du wirst uns fehlen, Klaus. Denn jede Begegnung mit Dir war eine Begegnung, die trotz Deiner Erkrankung mit Freude und Inspiration gesegnet war. Und wir hätten gerne noch ein paar mehr davon gehabt.

    Vielleicht blinzelst Du uns bei der nächsten Milchstraßenexkursion zu und freust Dich mit uns über ein gelungenes Motiv. Wer weiss.

    Wir denken an Dich und hoffen, dass Dein Weg aus diesem Leben von Leichtigkeit und Erlösung getragen ist.
    Mach es gut, Klaus, egal wo Du jetzt sein magst. Wir denken an Dich und behalten Dich in Erinnerung.

    Heute Abend brennt eine Kerze für Dich.

    Im Namen unserer Mitglieder,
    Jörg

    Vorstand der Fotoamateure Offenburg e.V.

  4. Gute Reise, lieber Klaus!
    Heute Mittag brannte eine Kerze für Dich und sie wird auch in den nächsten Tagen immer wieder für Dich brennen, bis ich das Gefühl habe, dass Du gut angekommen bist.
    Vielen Dank für den schönen Austausch in den letzten Tagen. Unsere Verabredung zu Kaffee/Tee und Kuchen bleibt bestehen. Ich bin mir sicher, wir sehen uns wieder in einem anderen Leben… in einer anderen Welt… in einer anderen Zeitlinie.
    Liebe Grüße
    Olivia

  5. Lieber Klaus,
    es ist mir schwer ums Herz und die Nachricht heute hat mich sehr getroffen und ich habe noch nicht damit gerechnet obwohl ich von deinem Weg wusste.
    Aber auf der anderen Seite,bin ich beruhigt weil ich weiß e war eine wohlüberlegter Schritt von dir und es ist für dich eine Erlösung und Befreiung.
    Ich danke dir für unsere Telefonate die immer sehr inspirierend waren voller Wärme auch wenn wie zuletzt eine sehr lange Zeit verging.
    Ich werde dich vermissen ,danke für dein DU für deinen letzten Anruf an meinem Geburtstag der dich auch sicherlich Kraft gekostet hat.

    Mach es gut mein Lieber,du warst so tapfer und mutig die letzten Jahre.
    Ich bin dankbar das wir ein Stück gemeinsam gehen durften.
    Ich hoffe du bist jetzt frei !
    An die engsten und Liebsten von Klaus mein herzliches Beileid,mit viel Kraft für die kommenden Tage.
    Bianca

  6. Lieber Klaus,
    Danke. Mit dir und den anderen von Leibniz bin ich in mein junges Musiker leben geschlittert.
    Hör heute unsere letzte CD „Zucker65“ Ich bin dankbar ein Teil der „Story“ zu sein.
    Macht alles Sinn 🌦️ zum Beispiel „die Wirkung der Kartoffel auf das denken“ ☺️
    Du bist ein super Typ und bleibst mir und ganz vielen anderen Menschen weiterhin in Erinnerung.
    Mach’s gut over the 🌈 TomTom

  7. Lieber Klaus,

    gestern Nachmittag kamen deine beiden eMails. Der Titel der ersten ließ mich nichts Gutes ahnen. Aber was ist schon gut – oder schlecht? Nur eine Bewertung in meinem Kopf. Ich ließ deine Nachrichten geschlossen, um sie heute Vormittag in Ruhe zu lesen. Vor mir lag der Besuch eines Kollegen, der mir zum guten Freund geworden ist. Wir sprachen über ein gemeinsames Projekt und – ein Zufall? – lange über uns nahe stehende Menschen, die sich das Leben genommen hatten, wie man so sagt.

    Jetzt wo ich deine Nachrichten lese, in deinem Blog die spritzigen Texte überfliege und deine kunstvollen Fotos bewundere, heule ich Rotz und Wasser. Du berührst mich tief mit deinem Dasein. Eigentlich war das schon so, seit wir uns in der CoreDynamik-Ausbildung zum ersten Mal begegneten. Da gab es den kleinen und den großen Klaus. Du warst der kleine und hast dich immer schon sehr wahrhaftig ausgedrückt. (Was nichts über den großen Klaus sagen soll.)

    Auch nach diesen drei Jahren haben wir uns ab und zu getroffen. Ein paar Mal habe ich auf meinen fast täglichen Fahrten zwischen Freiburg und Baden-Baden bei dir vorbeigeschaut. Auch noch in der Zeit, nachdem du krank geworden warst. Die Stunden, der Austausch mit dir waren immer besonders. Die Weise, in der du deinen ganz eigenen Weg gingst, hat mich jedes Mal beeindruckt.

    Dann kam Corona mit meinem Abschied vom SWR, der mein Leben vollständig umkrempelte. Ein-, zweimal hatten wir noch Kontakt. Ich konnte dir einen Arzt vermitteln, der auf Gutachten für Krankheiten wie deine spezialisiert war. Keine Ahnung, was daraus geworden ist, ob es irgendwas gebracht hat.

    Heute, nachdem ich deine Texte und Fotos durchstöbert habe, sehe ich dich in deiner Einzigartigkeit, deiner ganzen Größe und Schönheit. Dass mir das nicht früher gelungen ist und ich – trotz aller Turbulenzen in meinem eigenen Leben – nicht weiter die Begegnung mit dir gesucht habe, schmerzt mich richtig. Gleichzeitig hast du in deinem Leben und Sterben etwas geschaffen, Klaus, das weiterlebt – zumindest in mir. Dafür danke ich dir.

    Martin

  8. …es schmerzt und es wühlt vieles in mir auf. Lieber Klaus..wir kannten uns „kurz“ aus gesunden Zeiten…in deinem noch anderen und in meinem noch anderen Leben. Später…als wir beide dieselbe Erkrankung hatten…sind wir uns vor ca. 2-3 Jahren wieder begegnet.
    Nicht real…das hat die Erkrankung (ME) verhindert auf beiden Seiten.
    Aber schreibend, denkend, erinnernd, austauschend.
    Du bist nun diesen Weg gegangen…bis vor wenigen Tagen haben wir noch geschrieben. Vielleicht hatte ich da nicht immer die richtigen Worte…aber welche Worte könnten das auch sein.
    Es schmerzt auch, weil es leider nicht so selten ist…dass ME keinen Ausweg mehr lässt. Und die Erkrankung trotzdem von vielen medizinischen und politischen Seiten weiter ignoriert wird.
    Du hattest soviel Lust auf Leben, du warst ja nicht des Lebens „müde“ sondern der Erkrankung, wie du das auch schreibst.
    Ich weiß selbst nicht, was ich über das „Leben“ nach dem Tod – denken oder glauben soll…aber ich wünsche dir und uns allen dort viel, viel Liebe! Hab heute ein paar besondere Wolken am Himmel gesehen….bestimmt hättest du daraus tolle Fotos gemacht!

  9. ME/CFS-Selbsthilfe Freiburg

    Klaus war ein langjähriges Mitglied in der ME/CFS-Selbsthilfe Freiburg. Mit seinem Technikverstand hat er vor allem in der Anfangszeit unserer Online Treffen zu deren Gelingen beigetragen. Wir vermissen ihn sehr und trauern um ihn 💙🕯️💙

    Klaus hat über lange Zeit versucht, dem Leben mit ME/CFS das Beste abzutrotzen. Hier auf seinem Blog hat er offen und manchmal mit einem Augenzwinkern über die schönen und schweren Momente mit seiner Krankheit ME/CFS berichtet. So hat er uns inspiriert und selbst Hoffnung verbreitet.

    Genauso offen ging Klaus auch mit seinem Wunsch um, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sein Leben die für ihn so wichtigen Inhalte, über die er hier gesprochen hat, verlieren würde. Zuletzt hat er auch die Hoffnung verloren, dass es noch einmal besser werden könnte. So wurde aus diesem Wunsch für ihn eine konkrete Entscheidung.

    Wir sprechen den Angehörigen und Freunden unsere Anteilnahme aus und behalten Klaus in dankbarer Erinnerung.

    Im Namen der ME/CFS-Selbsthilfe Freiburg
    💙🕯️💙 🕯️💙

  10. ME/CFS-Selbsthilfe Freiburg

    Mirjam – Anna – Dorel – Kim – Klaus

    Das sind die Namen derer, die innerhalb einer Woche mit ME/CFS gegangen sind. Chronisch ignoriert – chronisch unversorgt – chronisch im Stich gelassen.

    Wir danken allen, die Klaus bis zum Schluss nahegestanden und sich um ihn gekümmert haben. Wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist.

    Im Namen der ME/CFS-Selbsthilfe Freiburg

  11. Lieber Klaus,

    nun bist Du tatsächlich gegangen. Wir hatten oft über diese Option gesprochen, insofern war ich vorbereitet. Und auch nicht.

    Danke für das Telefonat ein paar Tage vor Deinem Abschied. Ein Telefonat am Tag und einen Besuch, das konntest Du noch „verkraften“. Einen Anruf hast Du mir geschenkt. Und so durfte ich etwas Einmaliges erleben – mich von einem Freund zu verabschieden. Wer hat schon mal die Gelegenheit dazu?

    Es war ein doch schönes Telefonat. Und obwohl ich dachte, Dich schon ganz gut zu kennen hast Du mir dann doch etwas Erstaunliches erzählt. Du warst als Kind so schüchtern, dass Du lieber durch Regen, Matsch, Schnee und Sonne mit dem Fahrrad zur Schule gefahren bist, statt einmal im Monat bei der (eigentlich sehr liebenswerten) Schulsekretärin nach einer Monatskarte zu fragen. Du wurdest gehänselt aufgrund Deiner Schüchternheit und warst immer extrem angespannt in der Schule.

    Die beide Meilensteine waren Deine beiden Ausbildungen – die nach der Schule am Finanzamt und die in der CoreDynamik. Hier durftest Du einfach sein. Du musstest nichts beweisen, dass Du dazugehören darfst sondern warst einfach. Du bist gewachsen, an Dir und Deinen Aufgaben. Und so wurdest Du dieser weise Mann mit dem großen Herzen und offenem Ohr.

    Mit Deinen „Absolute Beginners“ interviewte Dich die Welt am Sonntag und das Fernsehen (SWR Landesschau). Was für eine Geschichte!
    Ich hatte Dir versprochen, sollte ich mal extrem schüchterne Kinder oder Jugendliche treffen und die Situation es erlaubt es, so würde ich von Dir und Deiner Geschichte erzählen. So als ermutigendes Beispiel zu dienen, das fandest Du eine tolle Idee.

    Und Du sagtest mir: „Wie gut, dass ich kein Bausparfuchs gewesen war – was hätte ich mich jetzt geärgert, wenn ich jetzt zwei Wohnungen und 3 Sparverträge für die Rente gespart hätte.“ Du hattest Dir lieber Erlebnisse und Dinge gegönnt, wenn die Zeit dafür reif war. Reisen, eine Kamera, in Elektro-Moped. Gut gemacht! Und wie weise, mal wieder.

    Ich kenne niemanden, der so gut zuhören konnte wie Du. Du hat jedem so viel Raum geschenkt, es war einfach faszinierend. Man sagt ja: Der Mensch hat zwei Ohre und einen Mund und in diesem Verhältnis sollte er auch kommunizieren – das war wahrlich Dein Motto!

    „Ich hab Dich lieb“ – das waren unsere letzten Worte füreinander. Und dann hatte es uns zerrissen.

    Danke für 15 Jahre Freundschaft. Fühlt sich an wie 150. Du fehlst.

    P.S: Danke Katrin, dass Du Dich so liebevoll kümmerst und diese Seite am Leben erhälst. Auch Dir mein Beileid.

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