Samstag.
Seit ich die Nikotinpflaster abgesetzt hab, komme ich nicht mehr auf die Beine. Ich war seit zwei Wochen nicht mal mehr unten am Briefkasten.
Das zuhause Rumhängen kenne ich ja langsam. Ich lebe von Tag zu Tag und hoffe auf morgen. Nur irgendwann sollte da wieder etwas Energie kommen, damit ich nicht völlig eingehe hier.
Selbst wenn ich innerlich akzeptiere, dass ich nur den ganzen Tag tote Zeit noch toter schlage, baut mein Körper ja trotzdem ab. Die Muskeln werden schwächer, das Immunsystem kommt außer Übung.
Donnerstag waren Katrin und etwas später Markus kurz hier, um mir Einkäufe vorbei zu bringen. Beide gesund. Aber am nächsten Tag fühlte ich mich richtig krank und meine Lymphknoten wurden so dick, dass das Schlucken weh tat.
Natürlich hab ich überlegt, ob ich das mit dem Nikotinpflaster noch mal probieren soll. Ich spüre aber deutlich, dass mein Körper keine Reserven mehr hat. Die Zellen halten sich mal grade so noch zusammen. Da wird jedes Experiment zu einer Art russischem Roulette. Und dafür bin ich halt echt nicht der Typ.
Die Energie, die ich jetzt noch habe, ist das absolute Minimum, mit dem ich mich noch einigermaßen organisiert bekomme. Also halte ich halt die Füße still, warte weiter ab und hoffe.
Sonntag.
Die Nacht war deutlich besser und ich fühle mich auch relativ okay. Ich warte ein paar Stunden ab, um zu schauen, wie stabil meine Verfassung ist. Dann beschließe ich, dass ich es wagen kann:
Ich hab erstens kein Bargeld mehr hier, mit dem ich den Leuten die Einkäufe bezahlen könnte. Zweitens müffelt der Müll in der Küche. Und drittens will ich wirklich, wirklich mal wieder raus!
Also gehe ich vorsichtig die Treppen runter, entsorge den Müll und schwinge mich auf den Steereon. Ich fahre mit dem Ding direkt an den Geldautomaten ran, damit ich nicht stehen muss. Dann fahre ich rüber zum Kasernenplatz.
Ich setze mich da einfach unter einen der Kastanienbäume in den Schatten. Die blühen in voller Pracht, die Wiese ist übersät mit Gänseblümchen und gelbem Hahnenfuß (?). Menschen führen ihren Hund gassi.
Eine große Familie in Sonntagsklamotten wartet, bis Borofsky’s zum Mittagstisch bereit ist. Der Onkel kickt mit den Jungs auf dem Rasen, Mama leiht sich so lange den kleinen Tretroller aus und probiert lachend erste Jumps. Der Rest der Familie fläzt in der Sonne. Das ist so entspannt hier!
Ein bisschen fühlt es sich an, als würde ich es im Fernsehen anschauen. Ich brauche nach solchen ‚Quarantäne‘-Phasen immer einige Tage, um mich wieder mit dem richtigen Leben zu verbinden. Trotzdem genieße ich es sehr.
Montag.
Heute morgen bin ich wieder total platt. Ich kann an der Garmin-Uhr ablesen, wie sehr meine Zellen in der ersten Nachthälfte geackert haben, um die Folgen der gestrigen Belastung zu verarbeiten. Immerhin haben sich gegen Morgen Puls und Herzratenvariabilität deutlich stabilisiert, das ist ein gutes Zeichen.
Jetzt hoffe ich halt wieder auf die nächsten Tage.








