Zum Inhalt springen
Rehab

„They tried to make me go to rehab…

  • ME/CFS

… and I said: „Na ja, hilft ja nix.“ Das hätte ich auch nicht gedacht, dass dieser Song von Amy Winehouse mal zu meinem Leben passen könnte. Jetzt sitze ich hier in meiner privaten Entzugsklinik.

Der Einstieg

Mein Leben lang waren Lebkuchen, dunkle Schokolade (und alle Schaltjahre mal 1/8 Weißwein) die härtesten Drogen, die mein Körper erlebt hat. Und dann fing ich an, Nikotinpflaster zu kleben.

Im Januar hatte ich das versucht, aber mit sechs Stunden pro Tag zu hoch dosiert. Ich musste nach drei Tagen abbrechen. Lymphknoten dick, ich ziemlich aufgedreht und hibbelig. Es hatte danach einige Tage gedauert, bis mein Körper wieder normal war.

Nächster Versuch

Anfang März hab ich einen zweiten Versuch gestartet, diesmal das Pflaster mit ca. drei Stunden am Tag nur halb so lange drauf. Und das hat sich bewährt! Ich war wacher, fühlte mich lebendiger, auch die Garmin-Uhr hat etwas bessere Werte gemessen. Da war einfach mehr Leben möglich.

Entzug

Leider ist es so, dass die Rezeptoren sich an das Nikotin gewöhnen. Deshalb ist die Empfehlung bei ME/CFS, alle vier Wochen für eine Woche mit dem Kleben auszusetzen. Das hab ich gemacht. Ich ging in den Entzug. Das Ergebnis: kaputt, schlechtere Werte.

Nach fünf Tagen hab ich wieder angefangen mit dem Pflaster, aber irgendwie war alles aus dem Tritt. Es wurde auch nach einigen Tagen nicht wirklich besser. Also hab ich beschlossen, ganz aufzuhören. Dieses Hin und Her scheint mehr zu schaden als zu helfen.

Jetzt lebe ich also wieder seit einer Woche ohne Nikotin. Und hänge total durch. Ich komme gar nicht mehr vor die Tür und muss mal wieder Freude für mich Essen einkaufen lassen. Aber ich hab das Gefühl, dass es so gaaanz langsam, in mikroskopischen Schritten wieder etwas stabiler wird.

Drogenbeauftragte

Und dann rief Annette an. Als Pharmakologin weiß sie natürlich viel mehr über die Prozesse im Körper als ich. Sie findet den Therapieansatz mit Nikotin sehr spannend. Als ich ihr erzählt hab, wie es mir grade geht, meinte sie: „Warum klebst du nicht einfach durch und setzt gar nicht mehr aus?“

Ja, die Rezeptoren desensibilisieren sich mit der Zeit. Aber erstens sind die Nikotinrezeptoren nicht die einzigen Acetylcholin-Rezeptoren der Zellen. Und zweitens kann ich locker die Dosierung erhöhen, um das auszugleichen. Die Menge Nikotin, die ich im März mit dem Pflaster aufgenomen hab, ist so lächerlich gering, dass ich fast überlegen könne, das Niktoin statt mit dem Pflaster über eine niedrige homöopathische Potenz zuzuführen!

Der Plan

Das arbeitet jetzt in mir. Ich warte trotzdem weiter ab, bis ich das Gefühl hab, dass meine Zellen wieder so sind wie vor dem Experiment. Und dann steige ich vielleicht wieder ein. Und dann ohne Entzugsklinik.

„They tried to make me go to rehab, and I said: „No, no, no!“ 😎

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert