Es heißt ja manchmal, wir Menschen seien hier auf der Erde um zu lernen. Seit gut sieben Jahren übe ich nun, meine Kräfte richtig einzuteilen. Das ist zwar immer noch einfacher als Französisch zu lernen, aber trotzdem nicht trivial.
Sonntagmorgen
Es geht mir recht gut. Heute soll es trocken bleiben, auch wenn es draußen recht frisch ist. Also packe ich mich ein und schwinge mich auf den großen Roller. Ich fahre gemütlich das Kinzigtal hoch.
Am Anglersee bei Berghaupten mache ich einen Zwischenstopp. Vor ein paar Wochen war ich schon mal hier und da erzählte mir ein Mann von den Unmengen Fröschen, die abends aus dem Wald in Richtung See gewandert sind, um zu laichen. Mal schauen, wie sich das inzwischen entwickelt hat.
Als ich ankomme, ist am See nichts zu sehen. Entweder sind die jungen Frösche inzwischen geschlüpft. Oder der Laich wurde komplett gefressen. Als ich zum Roller zurück gehe, sehe ich in einem kleinen Tümpel neben dem Weg doch noch was:
Mögt ihr überleben, Jungs und Mädels!
Ich fahre dann weiter das Kinzigtal hoch bis Steinach. Dort besuche ich, wo ich schon mal in der Gegend bin, Josef und Heike. Ich freue mich sehr, die beiden mal wieder zu sehen!
Und nun? Ich hab immer noch Lust zu fahren. Also Welschensteinach, Schweighausen, Lahr, Offenburg. Auf den letzten Kilometern wird es dann doch langsam unangenehm kalt. Mist, ich hätte doch noch die Steppweste drunter ziehen sollen!
Das Ergebnis: Montag und Dienstag platt. Kein richtiger Crash, aber mein Körper ist nachts spürbar und messbar beschäftigt, die Überlastungsfolgen zu reparieren.
Mittwoch
Meine Werte sind endlich wieder gut. Das Wetter ist inzwischen prima, also will ich unbedingt raus. Nachmittags einfach eine kleine Runde durch die Stadt. Ich möchte eh noch was im DM einkaufen. Seit der Budni gegenüber kein Budni mehr ist, finde ich da kaum noch was ich brauche.
Als ich in der Stadt ankomme, staune ich: überall Menschen! Ich bin nicht der Einzige, der einen Vorwand sucht, Sonne und Leben zu tanken. 🙂
Die Folge ist allerdings, dass beim DM kein einziger Einaufswagen frei ist! Ich nutze die in den größeren Läden immer als Quasi-Rollator. Und nun? Die Sachen sind nicht dringend. Aber wo ich schon mal da bin? Also gehe ich rein.
Schon bevor ich an der Kasse ankomme, spüre ich, dass es ein Fehler war. Die Beine tun weh. Draußen setze ich mich gleich auf den Steereon und fahre umher. Sitzen tut gut! Das Licht auch.
Ich mäandere durch die Stadt. Die Baustelle auf dem Marktplatz, wo ein Baumhain angelegt werden soll. Entlang der Stadtmauer oben. Durch den Zwingerpark unten. Durch den Bürgerpark. Überall Spaziergänger, überall Frühlingsstimmung.
Abends bekomme ich eine Hungerattacke und esse eine volle Portion Spaghetti mit Pesto und Ei. Ich brauche anscheinend Kohlenhydrate und Proteine. Danach fühle ich mich tatsächlich besser und lasse den Abend austrudeln.
Das Ergebnis heute, Donnerstag: platt. Kein echter Crash aber mein Körper war nachts wieder spürbar und messbar beschäftigt, die Überlastungsfolgen…
Es ist manchmal zum Mäusemelken! Ich werde es niemals schaffen, alle Überlastungen zu vermeiden, das geht nicht. Aber wenn ich schon mal da stehe und drüber nachdenke, so wie gestern vor dem DM, dann sollte ich es eigentlich langsam begriffen haben.
Hab ich offensichtlich nicht. Also einmal mehr: Nicht zur Strafe, nur zur Übung…
Nachtrag Donnerstag, 17 Uhr:
Ich hab heute wirklich gar nichts gemacht außer rumsitzen. Es gab mittags sogar kalte Küche, weil ich keine Lust hatte zu kochen. Und das sagt die Garmin-App zu diesem Energiespar-Tag:

Ja dann.
Die App kennt aber natürlich auch ME/CFS nicht…












