Ich hab erst heute jemanden etwas wehmütig erzählt, dass die Zeiten von stundenlangen Ansitzen auf Eisvögel vor Sonnenaufgang für mich vorbei sind. Trotzdem versuche ich, so gut es geht in Bewegung zu bleiben.
Ende letzten Jahres hatte ich mich schließlich geschont und es wurde auch nicht besser davon. Statt dessen hab ich in der Zeit ziemlich abgebaut. Jede Aktivität bringt natürlich ein erhöhtes Risiko von Überlastungen, aber meine Seele dankt es mir.
Mittwoch, 19.03.
Der kurze Weg zum Großen Deich, wenn es für mehr nicht reicht. Einfach Sonne tanken, die Welt kommen lassen. Von den zwei Stockenten abgesehen bewegt sich hier nicht viel.
Aber doch! Die Lichtreflexe tanzen munter auf dem Wasser und spielen mit dem trockenen Gestrüpp, das im lauen Wind hin und her wiegt. Das hat etwas sehr Beruhigendes. Sogar jetzt, wo ich die Fotos anschaue.
Auf dem Heimweg schaue ich bei den beiden Nandus vorbei, die in ihrem Gehege auf die Hühner aufpassen. Wirklich bemerkenswerte Kreaturen, sie beeindrucken mich jedes mal wieder.
Montag, 24.03.
Noch näher als der Große Deich ist der Felix-Burda-Park in Fessenbach. Ich setze mich einfach hin und schaue den Wolken zu. Immer wieder wirft die Sonne einzelne Strahlen durch die Lücken. Eine große Passagiermaschine taucht im Sinkflug auf Straßburg ganz langsam aus der Wolkendecke auf.
Dann höre ich ein leises Geklingel. Ein Paar kommt mit drei Hunden den Weg herunter spaziert. Aber hä? Das sind gar keine Hunde! Es sind Schafe an der Leine mit Glöckchen am Hals! Es sieht wirklich herrlich aus, wie sie sich mit Begeisterung auf die Grasbüschel am Weg stürzen. Ich frage natürlich nach, was es damit auf sich hat.
Normalerweise mähen die drei den Rasen der Frau und ihrer Nachbarn. Aber auch ein Schaf braucht wohl manchmal Tapetenwechsel. Und dann geht Frauchen halt mit. Bis die Vierbeiner keine Lust mehr haben, dann gehen sie keinen Schritt mehr. So ein Schaf weiß offenbar, was es will.
Dienstag, 25.03.
Letzte Woche bin ich an einer wunderschön blühenden Obstbaum-Plantage bei Ortenberg vorbei gefahren. Das Wetter war trübe und ich wollte keinen Aufwand treiben. Heute ist es wunderbar sonnig. Also fahre ich noch mal in Ruhe hin. Kurz drauf stehe ich mitten drin in diesem Blütenmeer. Es liegen schon jede Menge blühende Äste abgeschnitten auf dem Boden. Trotzdem diese Pracht! Gar nicht leicht, das einzufangen!
Dann mache ich einen kleinen Abstecher zum Schlossblicksee. Hier rührt sich gar nichts. Eine Weide wartet, so wie ich, vor sich hin. Am Boden unzählige lila Blüten. Ist das Gundermann? Die Blätter kommen mir bekannt vor. Dass der so hübsch blüht, war mir nie aufgefallen.
Ja, es sind kleine Abstecher. Dazwischen mal einkaufen im Edeka. Oder am Samstag mit dem Rollstuhl auf den Markt. Oder zuhause das Bad putzen. Nicht ganz Rock’n’Roll.
Ich trauere den Abenteuern und Projekten der letzten Jahre nach: Eisiger Sonnenaufgang am See in voller Tarnung. Milchstraße fotografieren. Spannende Fotosessions mit Menschen. Fahrten quer durch den Schwarzwald. Das waren tolle Herausforderungen. Und vor allem: mich abends mit Freunden treffen können!
Und auch da war ich ja schon krank! Sogar ich selbst kann das nur schwer fassen. Das Leben ist seither noch kleiner geworden. Ich versuche trotzdem noch, Lichtlein zu finden. Und manchmal klappt das auch…