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Klingende_Bäume4

Klingendes Grün

  • Natur

So langsam (Anfang Mai) verpasse ich leider meistens die Morgenstimmung draußen. Die Liebe zur Natur in Ehren, aber den Wecker stellen? Dafür müsste ich schon einen sehr konkreten Plan haben. Und so schwinge ich mich halt erst dann auf den Roller, wenn ich so weit bin.

Gestern morgen ist es halb neun, als ich aufbreche. Ich fahre zu einem meiner Lieblingsplätze am Waldrand oberhalb von Zunsweier. Aus dem Wald zwitschert und trällert es, dass es eine Wonne ist! Ich erwische einen Girlitz (glaube ich) und einen Gartenrotschwanz. Zwischen meinen Beinen flattert ein kleiner Schmetterling umher. Als er sich hinsetzt, drücke ich ab. Es ist ein Waldbrettspiel (heißt wirklich so), und er freut sich genauso über die Frühlingssonne wie ich.

Nach einer Weile fahre ich runter nach Hofweier, dann weiter raus in die Rheinebene. Wenn es nicht mehr so kalt ist, machen solche gemütlichen Ausflüge echt Spaß! Als ich ankomme, höre ich schon die Kiebitze, die dort jedes Jahr brüten. Einer ganz in der Nähe klingt sehr aufgeregt. Und dann sehe ich auch warum:

An einem Pfosten krabbelt eine Spinne emsig auf und ab. Heute ist zwar heiliger Sonntag, aber ohne Netz gibts ja kein Futter, und von Fasten hat schließlich keiner geredet. Ich schaue ihr eine Weile bei der Arbeit zu. Die Recherche zuhause führt nicht sehr weit. Es ist jedenfalls eine Vertreterin aus der riesigen Familie der Radnetzspinnen. Es ist immer wieder erstaunlich: Einerseits spüre auch ich ein inneres, sehr urtümliches Zurückweichen, wenn ich größere Spinnen sehe. Andererseits finde ich sie total faszinierend. Dieses gleichzeitige Hin- und Zurückwollen fühlt sich echt seltsam an.

Zufrieden und selbst auch ein bisschen hungrig fahre ich nach Hause.

Heute morgen bin ich schon um sieben unterwegs, diesmal nach Rammersweier. Und auch heute herrscht reges Treiben. Nur zu sehen bekomme ich nicht viel. Zwar sind jetzt auch die Zugvögel wieder hier, aber halt auch das Laub der Bäume. Es wirkt, als wären es die Buchen, Eichen, Weiden, Brombeerhecken und Wiesen selbst, die die Musik machen.

Immer wieder nutze ich die Vogelstimmen-App, wenn ich einen Vogel in der Nähe höre. Einige erkenne ich inzwischen auch selbst, natürlich Amseln, Kohlmeisen, Zilpzalp, Eichelhäher, Krähen, das Übliche.
Aber dann sind da immer wieder neue Stimmen. Meine App erkennt einen Zaunkönig. Der klingt für mich nach Hochfrequenz-Logorrhoe. Erstaunlich, wie aus so einem kleinen Körper so viel Ton kommt! Dann eine Heckenbraunelle (klingt finde ich ähnlich, nur nicht ganz so grell), eine Gartengrasmücke (deutlich tiefer), und – ich fasse es nicht – mindestens zwei Pirole! Ich kenne die bisher nur aus Tierbüchern meiner Kindheit und wusste gar nicht, dass es bei uns welche gibt!

Zu sehen bekomme ich von all den Vögeln höchstens huschende Schatten zwischen den Blättern. Da hilft auch die beste Kamera nichts. Trotzdem freue ich mich. Da draußen lebt und singt zum Glück doch noch deutlich mehr, als ich befürchtet hatte.

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